Gymnich kann einen bedeutenden kulturellen Erfolg feiern: Der „Gymnicher Ritt“ ist offiziell in das Landesinventar des immateriellen Kulturerbes Nordrhein-Westfalen aufgenommen worden. Dies teilte das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW dem Heimatverein Gymnich e.V. Anfang April mit. Gleichzeitig wurde die Kulturform für das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes nominiert.
Die Entscheidung würdigt eine jahrhundertealte Tradition, die tief im lokalen Leben verwurzelt ist. In ihrer Begründung hebt die Landesjury besonders die Verbindung von religiösem Brauchtum und lebendiger Volksfestkultur hervor. Der Gymnicher Ritt vereine liturgische, rituelle und gemeinschaftliche Elemente und schaffe so einen öffentlichen Raum, in dem Glaube, Identität und soziale Begegnung miteinander verschmelzen.
Der Weg zu dieser Auszeichnung war lang und sehr arbeitsintensiv. Die Idee, den Gymnicher Ritt für die Aufnahme in das Immaterielle Kulturerbe vorzuschlagen, ging ursprünglich vom Kirchenvorstand St. Kunibert aus. Der Bewerbungsantrag wurde dann vom Heimatverein Gymnich ausgearbeitet. Ein Team führte über viele Monate umfangreiche Recherchen durch, erstellte Dokumentationen und stimmte sie in zahlreichen Besprechungen auf das geforderte Format ab. Begleitet wurde der Prozess von Herrn Leineweber von der Universität Paderborn, Frau Dr. Katrin Bauer vom Landschaftsverband Rheinland sowie Frau Judith Linden vom Archiv des Erzbistums Köln.
Die eingereichte Bewerbung überzeugte die Jury insbesondere durch ihre fundierte Darstellung der historischen Entwicklung und der heutigen Bedeutung des Brauchs. Hervorgehoben wurde auch das starke ehrenamtliche Engagement: Zahlreiche Vereine, Initiativen und Bürgerinnen und Bürger tragen jedes Jahr zur Organisation und Durchführung des Ritts bei. Die Tradition wird generationenübergreifend weitergegeben und bleibt gleichzeitig offen für zeitgemäße Entwicklungen.
Darüber hinaus betont die Jury die identitätsstiftende Wirkung des Gymnicher Ritts. Die Veranstaltung sei fest im Jahreslauf der Region verankert und habe eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz – weit über die religiöse Gemeinschaft hinaus.
Eine feierliche Auszeichnung mit Urkundenübergabe ist für die zweite Jahreshälfte 2026 in Düsseldorf geplant.
Für Gymnich bedeutet diese Anerkennung weit mehr als nur eine Auszeichnung: Sie ist ein wichtiger Schritt zum langfristigen Erhalt der Tradition. Der Heimatverein Gymnich sowie der Kirchenvorstand als Träger des Gymnicher Ritts sind überzeugt, dass die Eintragung einen nachhaltigen positiven Einfluss auf die Pflege und Weiterentwicklung dieser alten Tradition haben wird.
Ob der Gymnicher Ritt auch in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird, entscheidet sich nach einer weiteren Prüfung durch ein Fachkomitee der Deutschen UNESCO-Kommission. Bis dahin heißt es für die Beteiligten: abwarten – und sich zunächst über einen großen Erfolg auf Landesebene freuen.

